25.09.2018 ‐ Finanzmarkt aktuell

Husten die Schwellenländer, bekommt der Rest der Welt die Grippe?

In den Medien ist derzeit häufig über die Ansteckungsgefahr von Schwellenländer zu lesen. Warum können Schwellenländer zur Herausforderung für etablierte Volkswirtschaften werden? Wir möchten eine kurze Antwort dazu geben.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass nicht alle Länder in einen Topf geworfen werden können. Risiken sind pauschal in jenen Ländern auszumachen, die eine hohe Inflation, geringe Devisenreserven und ein Leistungsbilanzdefizit vorweisen. Traditionell verschulden sich diese Länder häufig in Fremdwährung, da die lokalen Zinsen zu hoch sind und Refinanzierungen sehr teuer machen. Sogenannt „Hochzinsländer“ sind beispielsweise die Türkei, Südafrika und Argentinien.

 

Die USA sind durch ihre jahrelange Nullzinspolitik und der hohen Liquidität des US-Dollars eine beliebte Finanzierungswährung für Schwellenländer. Das ist grundsätzlich kein Problem, da durch den Export dieser Länder ausreichend US-Dollar Eingänge vorhanden sind um die US-Dollar-Kredite zu bedienen. Sind die Exporte aber rückläufig, reißt auch der US-Dollar-Strom ab und die Finanzierung beginnt schwieriger zu werden. Warum? Die fehlenden US-Dollar müssen auf anderem Wege besorgt werden, beispielsweise am Devisenmarkt. Wie geht das? Die lokale Währung wird verkauft und im Gegenzug wird die benötigte Finanzierungswährung gekauft, hier der US-Dollar. Leider kommt mit nachlassender Wirtschaft auch eine Schwäche der lokalen Währung einher. Spätestens jetzt hat solch ein Land ein Problem mit der Auslandsverschuldung. Importe verteuern sich durch die Schwäche der lokalen Währung. Die Inflation droht zu entgleisen. Eine Möglichkeit ist, dass die Notenbank mit Zinserhöhungen gegen die Inflationsanstiege ankämpft. Die Notenbank der Türkei hat bereits aus genanntem Grund den Leitzins auf 24% angehoben. Die Inflationsprognosen liegen für 2018 bei bis zu 30%, was weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich werden lässt.

 

Droht in solch einem Fall Ansteckungsgefahr?

 

Diese Frage muss mit JA beantwortet werden. Die Türkei ist sicherlich ein Sonderfall, da hier neben den konjunkturellen Gesichtspunkten auch politische Faktoren die Währung nachhaltig belasten.

 

Warum besteht Ansteckungsgefahr?

 

Für den Fall einer „Pleite“ der Türkei sind französische (ca. 70 Mrd. EUR) und italienische (ca. 20 Mrd. EUR) Banken mit einem Anteil von rund 90 Mrd. Euro am stärksten betroffen. Am Ende des Tages kann eine „Pleite“ oder auch nur ein möglicher Zahlungsaufschub einer fälligen Staatsanleihe in der Türkei den europäischen Bankenmarkt belasten und Brüssel und die EZB wären erneut gefordert.

 

Ist die Lage aussichtslos?

 

Nein! Auch wenn die Währungskrise in der Türkei maßgeblichen Einfluss auf das Investorenverhalten in anderen Schwellenländer hat, reagieren die Unternehmen dieser Länder nicht mehr so stark auf Währungsabwertungen wie in der Vergangenheit. Nach wie vor ist es Tatsache, dass das Wirtschaftswachstum von den asiatischen Ländern ausgeht. Vor allem für Länder wie Indien, Philippinen, Indonesien oder auch Ägypten wird ein Wirtschaftswachstum zwischen 7,5% und 5,1% für 2019 prognostiziert.

 

Grippe Prophylaxe der Oberbank:

 

Wir raten Ihnen, sich Währungsrisiken bewusst zu sein! Darüber hinaus können politische und wirtschaftliche Risiken Ihre Auslandsinvestitionen gefährden und beeinträchtigen! Ihr Oberbank Kundenberater informiert Sie gerne über die Möglichkeiten diese Risiken nachhaltig abzusichern.