21.06.2019 ‐ Finanzmarkt aktuell

Zinssenkungen – Wettlauf EZB gegen FED

Das Thema Zinssenkungen ist aktuell medial sehr präsent. In Händlerkreisen wird spekuliert, welche der beiden Zentralbanken – die EZB (Europäische Zentralbank) oder die FED (Amerikanische Notenbank) – den ersten Schritt setzt. Die Zinspolitik von EZB und FED ist sehr different.

Sehr eilig dürfte es die EZB haben, denn ihr Präsident Mario Draghi betonte in der letzten Zinssitzung die Notwendigkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. Damit soll die Inflation wieder angekurbelt werden. Die jährliche Teuerungsrate stürzte im Mai von 1,7 auf 1,2 % ab und die Kerninflation fiel gar von 1,3 auf 0,8 % zurück. Nachdem die Mittel beim Ankauf von Anleihen ziemlich ausgeschöpft wurden, bleibt wohl nur mehr der Schritt einer Senkung des Einlagezinssatzes übrig. Zu diesem Zinssatz müssen die Banken die überschüssige Liquidität täglich bei der EZB zu Negativzinsen von 0,4 % parken. Treten die Markterwartungen ein, dann ist eine Zinssenkung im zweiten Halbjahr sehr wahrscheinlich, wobei auch eine frühere Möglichkeit im Juli nicht auszuschließen ist.

Quelle: Reuters

 

In den USA ließ die Notenbank bei der letzten Zinssitzung am 19. Juni den Leitzinssatz unverändert in der Bandbreite 2,25 bis 2,50 %. Dennoch findet fast die Hälfte der FOMC Mitglieder im Zinsgremium der FED niedrigere Zinsen in der zweiten Jahreshälfte 2019 für angemessen. Dieser Ausschuss hat in der geldpolitischen Erklärung formuliert, dass sich die Unsicherheiten für den Ausblick betreffend Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und Inflationsziel erhöht haben und sie geeignete Maßnahmen treffen werden, um die erwähnten Ziele weiter zu erreichen. In den „Dot-Plots“ spiegeln sich die Zinserwartungen der einzelnen Notenbankmitglieder für 2020 wider. Diese liegen vom aktuellen Wert 2,37 % um ein Viertel Prozent tiefer bei 2,12 %.

 

Die US-Zinsdebatte ist von Präsident Donald Trump geprägt. Er möchte bei den Wahlen im nächsten Jahr mit einer attraktiven Wirtschaftsentwicklung punkten. Dazu braucht er die nominell unabhängige Notenbank. Obwohl er ihm freundlich gesinnte Notenbanker einsetzte, wurde seinem permanent laut geäußerten Wunsch nach Zinssenkungen noch nicht nachgekommen. Durch günstigere Kredite sollen Investitionen und Konsum gefördert und das Wachstum stimuliert werden. Geht die Konjunktur „ab wie eine Rakete“, wie Präsident Trump meint, dann würden mehrere Fliegen auf einen Schlag erlegt werden. Konkret geht es um vier Ziele:

 

  • Die günstige Finanzierung des überbordenden Haushaltsdefizits, das durch die Steuersenkungen auf unglaubliche 740 Mrd. USD angewachsen ist.
  • Der Aktienmarkt würde weiter boomen.
  • Der anhaltende Handelsstreit mit China führt durch die gegenseitigen Zölle auch in den USA zu einer Abschwächung der Wirtschaft. Eine Zinssenkung würde die Auswirkungen partiell abfedern.
  • Der Versuch den starken USD zu schwächen. Mit Werten um 1,1300 liegt der EUR/USD Kurs weit von der Kaufkraftparität entfernt, die bei einem Kursniveau von EUR/USD 1,3300 gesehen wird. Um den negativen EUR Zinsen auszuweichen, legen liquide Firmen die Überschüsse vermehrt im attraktiven USD Zinsniveau an und forcieren damit die USD Stärke. Damit erleidet die durch die Handelskonflikte gebeutelte US-Exportwirtschaft weitere Nachteile. Hier dürften die Aussagen der  US-Notenbankmitglieder bereits erste Wirkung zeigen. Der EUR/USD Kurs hat sich von den Jahrestiefständen, die knapp über 1,1100 lagen, schon leicht erholt. Von einer Trendwende ist aber erst bei nachhaltigen Werten über 1,1450 zu sprechen. Je früher eine konkrete Aktion der FED kommt, desto größer sind die Chancen auf steigende EUR/USD Kurse.

 

Quelle: Reuters

 

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