Wirtschaftsprognosen vom 03.09.2026

Ein Herbst im Zeichen von Inflationssorgen und Zinserhöhungen

 

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Euroraum   USA   Tschechien   Ungarn 

Konjunkturdaten

Der anhaltende Nahostkonflikt zwischen dem Iran und den USA und die massiven Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus halten die Risiken für die globale Energieversorgung auf einem hohen Niveau. Eine nachhaltige politische Lösung ist nicht in Sicht und die zentralen Seewege bleiben nur eingeschränkt nutzbar. Parallel dazu belastet auch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine die Energie- und Agrarmärkte weiter, vor allem über Angriffe auf Infrastruktur. Hierdurch werden Getreide- und Rohstoffexporte aus der Region erschwert und Agrar- und Energiepreise können hierzulande steigen. Entsprechend ist der Inflationsdruck durch die Lage im Energiesektor in vielen Volkswirtschaften wieder spürbar gestiegen. Das Umfeld bleib fragil: Waffenruhen sind brüchig, regionale Spannungen hoch und die politische Unsicherheit – insbesondere in den USA – belastet die Erwartungen. Das Risiko einer längeren Phase schwachen Wachstums bei gleichzeitig erhöhtem Preisniveau („Stagflation“) in Europa ist damit wieder präsenter.

 

Für Ungarn und Tschechien hat sich das Bild ebenfalls verändert. Nach den protektionistischen Maßnahmen der USA und der zwischenzeitlichen Schwäche im Exportsektor sind zwar erste Zeichen einer Stabilisierung erkennbar, die Wachstumsdynamik bleibt jedoch verhalten. Die Inflation ist in beiden Ländern deutlich zurückgegangen und liegt zum Teil bereits in der Nähe des Zielkorridors, bleibt aber sensibel auf die Entwicklung der Energiepreise. Die Zentralbanken agieren entsprechend vorsichtig: In Ungarn dürften kurzfristig - graduelle Zinssenkungen nur behutsam umgesetzt werden, während die tschechische Nationalbank ihr Zinsniveau vorerst stabil hält und bei Bedarf nach oben feinjustieren dürfte.

 

Quelle: Bloomberg Weighted Average 03. September 2026; e = estimated/geschätzt

 

 

Konjunkturprognose 2026

Quelle: Bloomberg Weighted Average 03.September 2026; e = estimated/geschätzt
Diese Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

 

 

 

Euroraum

 

Euroraum

Hartnäckige Inflation

Im Euroraum zeichnet sich für 2026 weiterhin nur eine verhalten positive Konjunktur ab. Die aktuellen Projektionen der EZB gehen von einem moderaten Wachstum von rund 0,8–0,9 % aus, getragen vor allem von stabiler Binnennachfrage, steigenden Reallöhnen und allmählich anziehenden Investitionen. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten und die Folgen des Iran‑Kriegs halten die Unsicherheit hoch und belasten insbesondere energieintensive Branchen, auch wenn sich die Weltwirtschaft inzwischen etwas besser an das höhere Energiepreisniveau angepasst hat.

 

*Mit Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz der EZB und nicht der Einlagesatz gemeint. Der Spread beträgt seit September 2024 0,15 statt 0,50 %.
Quelle: Oberbank Prognose

 

Die Inflation bleibt hartnäckig und dürfte sich 2026 im Jahresdurchschnitt weiterhin spürbar über dem 2,00 %-Ziel der EZB, im Bereich von etwa 2,60–3,00 %, einpendeln. Zuletzt hat die Teuerung in den größeren Volkswirtschaften wie Spanien (4,50 %) und Frankreich (2,70 %) spürbar zugelegt. Hohe Energiepreise wirken entlang der Wertschöpfungskette: Sie verteuern Vorprodukte, Transport und Logistik und erhöhen in der Landwirtschaft Kosten für Diesel, Dünger, Trocknung und Kühlung. Dadurch können Lebensmittelpreise steigen, Unternehmen Produktion und Investitionen drosseln, und bei anhaltendem Kostendruck können sich die höheren Preise über Löhne und Preisanpassungen verfestigen. Vor diesem Hintergrund signalisiert die EZB eine weiterhin vorsichtige, datenabhängige Gangart. Aus unserer Sicht ist – sofern sich die Teuerung auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Risiken nur langsam zurückbildet – eine weitere graduelle Straffung bis Ende dieses Jahres und eine längere Phase unveränderter Zinsen im Anschluss plausibel.

 

 

USA

 

USA

Zinspause – Wie lange hält Warsh dagegen?

Die Zinssitzung der Fed unter Notenbankchef Kevin Warsh stand zuletzt im Zeichen gestiegener Inflationsrisiken. Nach seiner Rede in Jackson Hole haben die Märkte die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung höher eingepreist, wodurch der Dollar zunächst Rückenwind erhielt. Zwar spricht das robuste US-Wachstum tendenziell für die US-Währung, doch die unklare geldpolitische Perspektive, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen im Nahen Osten belasten das Vertrauen in den Dollar. Der EUR/USD-Kurs dürfte daher auch diesen Herbst volatil bleiben.

 

*oberer Rand des Zielbandes
**10Y USD gegen SOFR

Quelle: Oberbank Prognose

 

Im Hinblick auf die Midterm Elections dürfte Präsident Trump ein Interesse an stabilen Finanz- und Energiemärkten haben. Gleichzeitig steht Warsh angesichts des inflationsgetriebenen Drucks und politischer Erwartungen vor einem schwierigen Spagat. Eine zu starke Einflussnahme auf die Geldpolitik könnte das Vertrauen der Märkte belasten und den Dollar schwächen. Insgesamt erwarten wir im kommenden Jahr stabile Leitzinsen, wenngleich eine Anhebung diesen Herbst nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Die massive US-Staatsverschuldung bleibt dabei ein zusätzlicher Belastungsfaktor für die Zinslandschaft. Höhere Defizite und der große Refinanzierungsbedarf erhöhen den Druck auf die Renditen am langen Ende und treiben die Finanzierungskosten für Staat, Unternehmen und Haushalte nach oben. Mittel- bis langfristig rechnen wir mit einer moderaten Dollar-Schwäche und EUR/USD Kursen um 1,1600 gegen Jahresende.

 

 

Tschechien

 

Tschechien

Robuste Krone

Die Inflation in Tschechien bewegt sich wieder nahe am Zielwert der Zentralbank (CNB) und hat sich nach dem Energiepreisschock merklich beruhigt. Die jüngsten Projektionen der CNB sehen die Teuerung 2026 im Bereich von rund 2,00 % und damit sehr nahe am Inflationsziel. Die tschechische Wirtschaft bleibt stark exportorientiert und eng mit der europäischen Industrie – insbesondere der deutschen Automobilbranche – verflochten. Trotz verhaltener Auslandsnachfrage stützt der Konsum privater Haushalte die Konjunktur; ein Wachstum von rund 2,00 % bis 2,30 % für 2026 erscheint aus heutiger Sicht realistisch.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Die Tschechische Nationalbank betont, dass zur Sicherung der Preisstabilität weiterhin eine straffe Geldpolitik erforderlich ist und hält den Leitzins aktuell bei 3,75 %. Angesichts moderater Inflation, fortbestehender geopolitischer Risiken (u. a. Nahostkonflikt) und eines nach wie vor sensiblen Energiepreisumfelds (hohe Abhängigkeit von Energieimporten) erwarten wir kurzfristig keine Lockerung. Wir rechnen bis Ende des Jahres mit einer Zinserhöhung auf 4,00 %, die zur Stabilisierung der Krone und Inflationsbekämpfung beiträgt. Eine stabiles Zinsniveau über das kommende Jahr hinweg ist aus heutiger Sicht plausibel.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Ein hohes und stabiles Zinsniveau spricht tendenziell für eine feste Krone. Vor diesem Hintergrund rechnen wir in den kommenden zwölf Monaten mit EUR/CZK Kursen zwischen 24,200 und 24,300.

 

 

Ungarn

 

Ungarn

Nachhaltige Forint Stärke?

Der Machtwechsel in Ungarn hin zu Péter Magyar und seiner klar pro‑europäischen Regierung hat die Perspektiven für den Forint spürbar verbessert. Die Aussicht auf eine Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, konsequentere Korruptionsbekämpfung und die schrittweise Freigabe eingefrorener EU‑Mittel in Milliardenhöhe wirkt als politischer Rückenwind für die Währung.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Gleichzeitig bleibt Ungarn stark von Energieimporten und der europäischen – insbesondere der deutschen – Industrie abhängig, was die Konjunktur anfällig macht. Die Inflation liegt aktuell deutlich unter dem Zielwert der Notenbank und verharrt mit Werten um 1,00 % bis 2,00 % auf einem niedrigen Niveau, während die Realzinsen klar positiv bleiben. Vor diesem Hintergrund hat die Ungarische Nationalbank (MNB) kurzfristig Spielraum für graduelle Zinssenkungen, ohne die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik zu gefährden. Niedrigere Zinsen könnten die angeschlagene Industrie entlasten, würden den Forint aber auch kurzfristig belasten. Angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit durch den Iran-Krieg und Ungarns hohe Abhängigkeit vom Energieimporten dürften den Leitzins im nächsten Jahr auf einem stabilen Niveau verharren.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Insgesamt dürfte die Kombination aus politischem Neustart, einer möglichen Rückkehr zu einer berechenbaren europäischen Linie und eine weiterhin vergleichsweise straffe Geldpolitik den Forint mittelfristig stützen. Für die kommenden zwölf Monate halten wir einen EUR/HUF‑Korridor von etwa 365 bis 355 für realistisch. Politische Reformfortschritte und der Umgang mit den EU‑Mitteln bleiben langfristig entscheidende Faktoren für die Unterstützung des Forints, während potenzielle Zinssenkungen ihn kurzfristig tendenziell schwächen könnten.

 

Der Artikel wurde am 07.09.2026 aktualisiert.

Autor: Fatih Topkaya

 

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Österreich: Oberbank AG, Rechtsform: Aktiengesellschaft, Sitz: Linz, Firmenbuch Nr. FN 79063 w, Landesgericht Linz

 

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Oberbank AG, Hauptsitz: Linz, Österreich, Rechtsform: Aktiengesellschaft, Firmenbuchnummer: FN 79063 w, Landesgericht Linz, Vorstand: Vorsitzender Generaldirektor Dr. Franz Gasselsberger, MBA, Vorstandsdirektor Mag. Florian Hagenauer, MBA, Vorstandsdirektor Martin Seiter, MBA, Vorstandsdirektorin Mag. Isabella Lehner, MBA, Vorstandsdirektorin Mag. Romana Thiem, Aufsichtsratsvorsitzender: Dr. Andreas König.

 

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Mag. Fatih Topkaya

Fotoquelle: Wakolbinger
 

Autor:

Mag. Fatih Topkaya

Treasury und Handel, Oberbank AG