'Männer tüchtiger? Glaub’ ich nicht' - Oberbank
26.07.2018 ‐ Presse

'Männer tüchtiger? Glaub’ ich nicht'

Interview mit "Die Presse": Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger über lockere Kreditvergabe, den Zwölfstundentag und das Problem, Frauen als Führungskräfte zu gewinnen.

Die Presse: FMA und Notenbank warnen, dass dank guter Konjunktur Kredite zu locker vergeben werden. Baut sich die nächste Krise auf?

Franz Gasselsberger: Die Kreditnachfrage ist derzeit sehr stark und gleichzeitig auch sehr breit gestreut. Bei Firmenkrediten kann also nicht die Rede davon sein, dass Kredite zu locker vergeben werden. Bei der Wohnbaufinanzierung gebe ich der Aufsicht allerdings Recht. Denn in einer Phase vieler Immobilientransaktionen und steigender Preise ist es wichtig, dass sichergestellt ist, dass diese Kredite auch bezahlt werden können, wenn es konjunkturell wieder schlechter läuft.

 

Laut Aufsicht sind die Banken bei wichtigen Vergabekriterien inzwischen wieder zu lax.

Es geht hierbei nicht um „die“ Banken, sondern um einzelne Institute. Ich verwehre mich hier gegen eine Verallgemeinerung. Und wer das ist, weiß die Aufsicht auch.

 

Zurück zur Konjunktur. Es läuft zwar gut, aber in Bayern und Tschechien – wo Sie auch aktiv sind – noch besser. Warum?

Derzeit gibt es gewisse Überhitzungstendenzen bei der Konjunktur. Und in Bayern, Tschechien, aber auch Ungarn gibt es nicht nur eine Vollbeschäftigung, sondern sogar eine Überbeschäftigung. Jetzt kann man aber daraus nicht ableiten, dass es in diesen Ländern konjunkturell besser läuft, sondern es gelingt diesen Staaten einfach, mehr Leute in den Arbeitsprozess zu integrieren. In Österreich ist schlicht die Sockelarbeitslosigkeit höher.

 

Industriebetriebe sind Ihre Hauptkunden. Bringt denen der 12-Stunden-Arbeitstag was?

Das ist eine Uraltforderung der Wirtschaft. Es geht hierbei ja nicht um eine grundsätzliche Anhebung der Arbeitszeit, sondern nur um eine höhere Flexibilität. Und die Sozialpartner waren fast über Jahrzehnte nicht in der Lage, dieses Thema zu lösen. Daher ist es für mich nachvollziehbar, dass die Regierung das nun per Gesetz macht. Die Begleitmusik zu diesem Thema ist leider von wenig Sachlichkeit gezeichnet. Die Gewerkschaft will Flagge zeigen, dass ohne Einbindung der Sozialpartner ein solches Gesetz nicht gemacht werden kann. Man hat aber gesehen: Es geht doch.

 

Ist der Zwölfstundentag für Banken ein Thema?

Natürlich ist das für uns auch ein Thema. Vor allem in den internen Bereichen haben wir manchmal Spitzenzeiten – etwa bei der Bilanzerstellung oder auch beim Quartalsultimo. Und hier wird diese Neuregelung zu einer Entkriminalisierung führen.

 

Eine andere Forderung aus der Wirtschaft ist eine Senkung der Körperschaftsteuer.

Niemand kann gegen eine Senkung der Körperschaftsteuer sein. Aber hier ist das Timing sehr entscheidend. Eine solche stimulierende Maßnahme mitten in der Phase der Hochkonjunktur wäre nicht sinnvoll. Sie wäre aber wichtig, wenn es zu einem Abschwung kommt. Jetzt wäre hingegen der richtige Zeitpunkt, die Staatsschulden zu reduzieren.

 

Apropos Staatsschulden: Kann es angesichts der Probleme in Italien in absehbarer Zeit höhere Zinsen im Euroraum geben?

Italien ist sicherlich ein heikles Thema – auch durch die jetzige Regierung, die ja nicht durch einen ausgeprägten Sparwillen auffällt. Dennoch glaube ich nicht, dass die Zinswende dadurch verzögert wird. So hat sich die EZB selbst auferlegt, maximal 30 Prozent der jeweiligen Staatsanleihen zu kaufen. Und sowohl bei Deutschland, Frankreich und Italien liegt man bereits knapp unter dieser Schwelle. Die EZB wäre also gut beraten, sich durch langsame Normalisierung wieder einen Puffer für künftige Krisen zu schaffen.

 

Aber die Banken schreiben trotz Nullzinsen Rekordgewinne.

Es läuft deshalb gut, weil die Vorsorgen für faule Kredite untypisch niedrig sind. Das operative Zinsergebnis ist nicht so berauschend. Die Banken haben derzeit viel Überliquidität und die muss bei der EZB mit minus 0,4 Prozent veranlagt werden. Da gibt man das Geld lieber billig an Firmen oder Private. Und das drückt natürlich auf die Margen.

 

Steigen die Zinsen, dann auch die Kreditrisken.

Diesen Schluss würde ich so nicht ziehen. Denn für die meisten Kreditnehmer wird es kein Problem sein, einen Zinsanstieg von null auf ein Prozent zu verkraften. Allerdings verdeckt die derzeitige Hochkonjunktur die eine oder andere strukturelle Schwäche bei manchen Unternehmen. Und diese werden bei einem Abschwung stärker zutage treten und so das Kreditrisiko erhöhen.

 

Die Iran-Pläne der Oberbank hat US-Präsident Donald Trump zunichte gemacht. War’s das?

Wir haben vor einem Jahr ein Finanzierungsabkommen mit den iranischen Banken abgeschlossen. Da war nicht absehbar, wie die Dinge sich entwickeln. Es ist aber von Monat zu Monat klarer geworden, dass Trump das Atomabkommen außer Kraft setzen will. Wir haben viel Zeit und Energie investiert, müssen aber die geänderten Rahmenbedingungen akzeptieren.

 

Und wie laufen Ihre Pläne einer verpflichtenden Frauenquote bei Führungskräften?

Wir haben seit rund acht Jahren eine sehr aktive Gender-Balance-Politik. Bisher sind die Ergebnisse aber nicht so, wie ich mir das vorstelle. Wir haben einen Frauenanteil von 60 Prozent, aber nur 23 Prozent Frauen in Führungsfunktionen. Eigentlich bin ich ja ein Anhänger des Gedankens, dass sich der Tüchtigere durchsetzt. Aber bisher ist es zufälligerweise so, dass das fast immer Männer sind. Und an diese Zufälle glaube ich nicht. Vor allem im Recruiting-Prozess soll es daher Änderungen geben, um tradierte Verhaltensmuster zu ändern: Einem Mann kann ich einen Job mit nur ganz kurzer Bedenkzeit anbieten. Bei einer Frau geht das meist nicht. Das muss die Organisation lernen.

 

QUELLE: "Die Presse" vom 21.07.2018

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