28.03.2022 ‐ Presse

Der Oberoberbänker

Seit 20 Jahren ist Franz Gasselsberger Generaldirektor. Warum für ihn jeweils nur die letzte Bilanz und die letzte Marathonzeit zählen.

 

Quelle: OÖNachrichten, 26.03.2022

Foto: Peter Rigaud

Einmal Oberbank, immer Oberbank!

Mit diesem Spruch hat Franz Gasselsberger schon viele Reden bei unzähligen Veranstaltungen im Donauforum seiner Bank abgeschlossen. Es gilt vor allem für ihn selbst. Im April, rund um seinen 63. Geburtstag, jährt sich seine Ernennung zum Generaldirektor zum 20. Mal. 24 Jahre war er im Vorstand. Seit fast 40 Jahren arbeitet er für die Bank für Oberösterreich und Salzburg, wie die Oberbank auch lange hieß.

 

Über seine ersten 20 Jahre spricht er gar nicht so gern, noch weniger über seine Leistung und das Wachstum der Bank. "Für mich zählt immer nur die letzte Bilanz. Ich unterhalte mich ja auch nicht über eine Halbmarathonzeit, die ich vor zehn Jahren erreicht habe", sagt der gebürtige Ampflwanger, der in Vöcklabruck maturiert und in Salzburg Jus studiert hat. Nach dem Studium begann er seine Laufbahn bei der Oberbank.

 

Die Bilanzsumme der börsennotierten Oberbank ist rund drei Mal so hoch wie 2002, die Oberbank wächst vor allem außerhalb Oberösterreichs: in Wien, Tschechien und Ungarn sowie vor allem in Deutschland, wo das Filialnetz nach Norden ausgeweitet wird. Die Bank beschäftigt mehr als 2100 Mitarbeiter und ist Teil der 3-Banken-Gruppe. Die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), die Bank für Kärnten und Steiermark (BKS) halten aneinander Beteiligungen und über Syndikatsverträge mit anderen den Einfluss der UniCredit niedrig. Mit letzterer wird nach wie vor ein erbitterter Rechtsstreit geführt. Die UniCredit als Nachfolgerin von Creditanstalt bzw. später der Bank Austria prozessiert gegen alle drei Banken. Für Gasselsberger eine Frage der Unabhängigkeit. Aber auch ein Déjà-vu. Als er seinerzeit bestellt wurde, hieß es, die deutsche HVB wolle die Oberbank übernehmen. Die HVB ist längst Teil der UniCredit.

 

Als der ehemalige Filialleiter der Oberbank Altheim dem legendären Oberbank-Chef Hermann Bell (der Architekt der Unabhängigkeit der 3-Banken war 30 Jahre Generaldirektor) nachfolgte, war Ludwig Scharinger noch Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank. Auch von den anderen damaligen Kollegen ist niemand mehr im Amt. Gasselsberger ist der längstdienende Banken-Chef Österreichs.

 

Gasselsberger war die Antithese zu Scharinger und auch wieder nicht. Der begeisterte Läufer und Bergsteiger, der seit seinem 50. Lebensjahr keinen Kaffee und vor allem keinen Alkohol mehr trinkt, schätzt die Askese ("Aber in meiner Jugend habe ich nichts versäumt"), er ist als Chef fordernd, weil er auch von sich selbst einiges fordert. Er steht täglich um 4:30 auf, macht seine Gymnastik, liest die OÖNachrichten und ist um 6:45 in der Bank. Veranstaltungen mit vielen Besuchern gab es bis zum Beginn der Pandemie viele, der Chef ist regelmäßig anwesend, aber nicht der Letzte, der heimgeht. Gasselsberger ist auch das Gesicht der Bank, sein Konterfei ist auf vielen Inseraten zu sehen. "Wir hatten verschiedene Werbeagenturen, alle haben uns zu dieser Linie geraten. Die Kunden wollen Sicherheit und Vertrauen. Dafür stehe ich", sagt der Vater dreier Töchter.

 

30 Jahre, wie sein Vorgänger Hermann Bell, werde er die Oberbank nicht führen. Im April beginne seine nächste Vorstandsperiode mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Das werde seine letzte sein. Danach werde er sich zurückziehen. "Meine Frau und ich teilen die meisten Hobbys, wir haben fünf Enkerl. Ich bin begeisterter Opa. Und ich brauche keine Aufsichtsratsfunktionen im großen Stil", sagt Gasselsberger, der auch seine 18 Hektar Wald selbst bewirtschaftet. Wenn er nicht Bänker geworden wäre, wäre er wohl Förster geworden, sagt der leidenschaftliche Jäger.

 

Das erste Gehalt

Wer seine Nachfolge antreten wird, werde der Aufsichtsrat entscheiden. Er gehe aber davon aus, dass es jemand aus dem 250 Personen umfassenden Pool der Nachwuchskräfte in der Bank sein werde. "Damit sind wir immer gut gefahren. Als ich bei der Oberbank anfing, habe ich 9600 Schilling netto im Monat verdient. Der Personalchef hat zu mir gesagt: Hier können Sie sogar Vorstandsdirektor werden. Es funktioniert bei der Oberbank ohne Parteibuch und Mitgliedschaft in irgendeinem Bund. Das ist bis heute so", sagt Gasselsberger nicht ohne Stolz. P.S.: Seine letzte Halbmarathonzeit war 1:45.

Bei der Oberbank kann man ohne Partei- und Vereinszugehörigkeit Karriere machen. Das gilt auch für meine Nachfolge.

Franz Gasselsberger, seit knapp 40 Jahren Mitarbeiter der Bank, seit 20 Jahren Generaldirektor