25.08.2020 ‐ Finanzmarkt aktuell

V-förmige Konjunkturprognosen: Annahmen und Risiken

Die Covid-19 Pandemie erreichte Ende Februar Europa und versetzte die Eurozone in einen Ausnahmezustand. Partielle Lockdowns konnten die Ausbreitung des Virus eindämmen und linderten die Folgen für das Gesundheitssystem. Die Maßnahmen führten zu einem unvergleichlichen Einbruch der Weltwirtschaft. Das BIP im Euroraum verzeichnete im zweiten Quartal ein Minus von 15% gegenüber dem Vorjahreswert. Der signifikanteste Unterschied zu vergangen Wirtschaftskrisen ist der starke Einbruch des Dienstleistungssektors.

Mit den Lockerungen der Maßnahmen tritt nun die Frage in den Vordergrund, wie schnell der Wirtschaftserholungsprozess erfolgt. Oft wird in diesem Zusammenhang von einem V-förmigen Verlauf gesprochen. In diesem Szenario wird unterstellt, dass nach einem steilen Absturz eine rasche Erholung der Wirtschaft folgt. Die ÖNB (Österreichische Nationalbank) rechnet, unter den Annahmen einer ausbleibenden zweiten Infektionswelle und einer medizinischen Lösung zur Jahresmitte 2021, mit einem BIP-Wachstum von 4,9% im Jahr 2021. In dieser Prognose zeigt sich ein tatsächlicher V-förmiger Verlauf der österreichischen Konjunktur. Die Kombination aus wachsendem Privatkonsum und einer Erholung der Exporte soll die Eurozone wieder auf Erholungskurs bringen. Das Vorkrisenniveau sollte in diesem Szenario im Jahr 2022 erreicht werden.

 

Quelle: Moody's. Economy

 

Auch in unseren Nachbarländern hinterließen die Eindämmungsmaßnahmen merkliche Spuren für die Wirtschaft. Durch die engen Geschäftsbeziehungen zu Österreich sowie Deutschland wurden die Tschechische Republik als auch die Slowakei härter von den Lockdown-Maßnahmen getroffen als andere osteuropäische Länder. Die Tschechische Republik konnte einen stärkeren Rückgang der Wirtschaftsleistung durch eine Aufhebung der Lockdown-Maßnahmen verhindern. Der weitere Verlauf der Erholung wird aber sehr stark von der Importnachfrage der Nachbarländer geprägt sein. Die ungarische Wirtschaft wurde vor allem durch die fehlenden Einnahmen in den Sektoren Industrieproduktion und Tourismus getroffen. Im kommenden Jahr prognostiziert die EU-Kommission, dass die ungarische Wirtschaft um 6% wachsen werde.

 

Die Prognosen zeigen zwar einen V-förmigen Verlauf, jedoch unterliegen die Berechnungen eben der Annahme, dass der Europäische Wirtschaftsraum von einer zweiten Infektionswelle im Herbst verschont bleibt. Unter diesem Gesichtspunkt sollten Lockdown-Maßnahmen nur regional auftreten und somit die Erholung nicht erheblich beeinflussen.

 

Positive Anzeichen für eine V-förmige Erholung der heimischen Wirtschaft erfasste der ÖNB BIP Indikator in den vergangenen Kalenderwochen. Das Aktivitätsniveau der österreichischen Wirtschaft lag hier nur mehr 3,8 % unter dem Vorjahresniveau. Zudem sollen die Nachholeffekte im privaten Konsum sowie ein Exportwachstum in den nächsten Quartalen die Wirtschaft wieder auf Erfolgskurs bringen. Eine V-förmige Erholung könnte unter diesen Annahmen als realistisches Szenario betrachtet werden. Diese Entwicklung ist jedoch auch von anderen Faktoren abhängig. Die Erholung des Welthandels, spielt natürlich für die exportorientierte Wirtschaft eine erhebliche Rolle. Reisebeschränkungen und sinkende Nachfrage auf den Weltmärkten sind die Hauptrisiken für die sich erholende Exportwirtschaft. Somit nehmen die Infektionszahlen im kommenden Herbst eine Schlüsselrolle ein, um die Konjunktur auf Erholungskurs zu halten.

 

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