17.03.2020

Corona und die Ängste am Devisenmarkt?

Die positive Nachricht vorweg. Derzeit hat es den Anschein, als ob die große Eskalation am Devisenmarkt im Zeitraum Anfang bis Mitte März stattfand. Am Devisenmarkt sorgten und sorgen die Notenbanken mit einer Reihe von Maßnahmen für Stabilität, speziell in den Hauptwährungen. 

Welche Schritte setzten die Notenbanken und warum ist das für den Devisenmarkt von Bedeutung?

USA: Die US-Notenbank (Federal Reserve Bank oder Fed) senkte den Leitzins im März zweimal, am 3. und am 15. März, auf einen aktuellen Wert von 0,00% - 0,25%. Zusätzlich wurde ein Anleihekaufprogramm in Höhe von 700 Mrd. USD ins Leben gerufen (Stand 16.3.2020). Viel wichtiger ist allerdings, dass die Fed mittels Swaplinien fünf großen Zentralbanken (EZB, Schweizer Nationalbank, Bank of Canada, Bank of England, Bank of Japan) die Versorgung mit US-Dollar sicherstellte.

 

EZB: zusätzliche Anleihekäufe bis Jahresende in Höhe von 120 Mrd. Euro.

 

England: Zinssenkung auf 0,25% .

 

Tschechien: Senkung auf 1,75%.

 

Norwegen: Leitzinssenkung um 0,50% auf 1,00 %.

 

Schweden: Liquiditätsspritze in Höhe von 46 Mrd. EUR.

 

Japan: Ausdehnung des Aktien- und Anleihekaufprogrammes.

 

Australien: Senkte als erstes Land den Leitzins. Eine weitere Zinssenkung auf 0,25% wird erwartet.

 

Neuseeland: Leitzinssenkung um 0,75% auf 0,25%.

 

Kanada: Leitzins innerhalb einer Woche von 1,75% auf 0,75% reduziert.

 

Warum ist die Versorgungssicherheit mit US-Dollar von Bedeutung?

Global betrachtet verlaufen 45,00% aller Devisentransaktionen in US-Dollar. 16,00% werden in Euro abgewickelt (Quelle: https://www.bis.org/statistics/rpfx19_fx.pdf). Der Rohstoffhandel wird nahezu zur Gänze in US-Dollar abgerechnet. Die Flugzeugindustrie wird ebenfalls in US-Dollar fakturiert. Die Versorgung bzw. der Zugang zum Greenback (Umgangssprachlich für US-Dollar) ist für einen funktionierenden Handel derzeit immer noch alternativlos. In der Spitze der Finanzkrise war es genau diese Sorge, nämlich der Zugang zum US-Dollar, der zu Marktverwerfungen führte. Aus diesem Grund sind die aktuellen Maßnahmen der Fed (siehe oben) entscheidend für das Finanzsystem. Die zugesicherte Liquidität in US-Dollar für nicht amerikanische Zentralbanken ist im gegenwärtigen Umfeld das richtige Zeichen und sorgt für Beruhigung und Stabilität.

 

Wie könnte es bei EUR/USD weitergehen?

Die fundamentale Betrachtung muss aktuell ausgeblendet werden. Zu unsicher sind die Dauer und Auswirkung der Pandemie auf die einzelnen Industrieländer. Aktuell dominieren Angst und die Suche nach Sicherheit das Marktgeschehen. Der US-Dollar ist die liquideste Währung und war auch in der Spitze der Finanzkrise 2008 – wenn auch schwer – handelbar. Im gegenwärtigen Umfeld erinnert man sich dessen und setzt auf die sichere Karte. Die sogenannten „sicheren Häfen“ werden angesteuert. Das sind Währungen wie der  US-Dollar, gefolgt vom japanischen Yen oder dem Schweizer Franken. Auf Sicht könnten auch die skandinavischen Währung profitieren, speziell die Dänische und Schwedische Krone. Norwegen scheidet aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Ölpreis  vorläufig als „sicherer Hafen“ aus.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass - solange die Unsicherheit dominiert - der US-Dollar tendenziell profitieren könnte. Eskalationen in EUR/USD wie Anfang März waren der überraschenden Zinspolitik der US-Notenbank geschuldet und bot USD-Käufern eine Chance.

 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Im Zuge der Unsicherheit und der nur schwer einschätzbaren Lage ist es ein Gebot der Stunde, offene Währungspositionen gegen Risiken abzusichern. Für bestehende Absicherungen gilt es, bei Lieferverzögerungen oder Ausfällen die Währungsabsicherungen entsprechend anzupassen. Dabei unterstützen Sie Ihre OberbankberaterInnen.

 

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