22.02.2022 ‐ Finanzmarkt aktuell

Emerging Markets: Die großen Verlierer der Pandemie?

Die Unterschiede zwischen Schwellen- und Industrieländern hinsichtlich des Wirtschaftswachstums sind während der Pandemie deutlich geringer geworden, die Risiken sind hingehen gestiegen. Keine guten Argumente, um in naher Zukunft ausländische Investoren ins Land zu holen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Unter dem Begriff „Emerging Markets“ oder zu dt. Schwellenmärkte werden gängigerweise die Finanzmärkte jener Länder bezeichnet, deren Volkswirtschaften sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden, jedoch noch nicht auf dem Niveau eines entwickelten Industriestaates angelangt sind. Hauptmerkmale sind dabei zum einen ein niedriges Lohnniveau, zum anderen ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum. Letzteres sollte theoretisch, unter Berücksichtigung eines höheren Risikos, auch für eine überdurchschnittliche Rendite für Investoren sorgen.

 


 

Doch die Unterschiede zwischen Schwellen- und Industrieländern hinsichtlich des Wirtschaftswachstums sind während der Pandemie deutlich geringer geworden, die Risiken sind hingehen gestiegen. Keine guten Argumente, um in naher Zukunft ausländische Investoren ins Land zu holen. Die Gründe dafür sind vielfältig.


Als Erstes wäre da die steigende Verschuldung zu nennen. Während viele Schwellenländer mit bereits hohen Staatsschulden in die Corona-Pandemie eintraten, musste noch mehr Geld aufgenommen werden, um auf der einen Seite die wirtschaftlichen Auswirkungen der heimischen Unternehmen zu bewältigen, auf der andere Seite musste ein funktionierendes öffentliches Gesundheitswesen sichergestellt werden. Somit müssen die ohnehin schon knappen Haushaltsmittel der Länder für den Schuldendienst verwendet werden, anstatt für Bereiche, die für ein gutes Wirtschaftswachstum so wichtig wären wie beispielsweise Bildung oder Infrastruktur.


Nicht die beste Ausgangslage, wenn man daran denkt, was sich am Horizont in Richtung USA abzeichnet. Durch die anhaltend hohe Inflation erwartet der Markt mittlerweile sechs Zinserhöhungen von der FED und damit einhergehend einen stärker werdenden US-Dollar. Dadurch wird die zukünftige Bedienung dieser Schulden erheblich erschwert, sodass es zu vermehrten Zahlungsausfällen kommen könnte. Aber auch abseits der großen Schuldenproblematik stellt die Pandemie die Emerging Markets vor Herausforderungen.


Im Zuge der Globalisierung und den immer kürzer gewordenen Lieferketten verlagerten viele große Konzerne aus den Industriestaaten diverse Vorproduktionen in die Schwellenländer, um durch das niedrigere Lohnniveau an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Die pandemiebedingte Störung der Lieferketten, die bis heute anhält, könnte diese Unternehmen dazu veranlassen, die Vorprodukte wieder näher am Hauptstandort zu produzieren. Aktuell werden seitens der Industrieländer neue Anreize für die Unternehmen ausgearbeitet, um das Inland als Produktionsstandort attraktiver zu machen und somit zukünftigen Lieferkettenunterbrechungen vorzubeugen.


Auch der Einfluss der Pandemie auf das Bildungsniveau, in der Wirtschaftswissenschaft auch „Humankapital“ genannt, sollte nicht unterschätzt werden. Zwar werden sich die Schulschließungen weltweit negativ auswirken, jedoch verfügen nur wenige Schwellenländer über die benötigte Infrastruktur in Form von Breitbandverbindungen, um einen effektiven Fernunterricht zu Hause zu ermöglichen. Und es waren gerade diese Länder, die aufgrund niedriger Impfquoten von besonders vielen Fehlzeiten betroffen waren und teilweise immer noch sind. Die Weltbank schätzt, dass als direkte Folge der Anteil der Kinder, die im Alter von zehn Jahren einen einfachen Text nicht lesen und verstehen können, von zuvor 50 auf fast 70 % ansteigen wird.


Inzwischen den ganzen Schwierigkeiten, mit denen die Emerging Markets in der Pandemie zu kämpfen hatten bzw. noch werden, gibt es auch den ein oder anderen Lichtblick. Die Widerstandsfähigkeit, solche wirtschaftlich schwierigen Phasen gut zu überstehen, hat gerade bei den größeren Volkswirtschaften deutlich zugenommen. Die Mehrheit der Länder hat mittlerweile einen Leistungsbilanzüberschuss, sodass man nicht mehr so abhängig von ausländischer Finanzierung ist, wie man es in der Vergangenheit einmal war. Länder wie Indien oder Brasilien verfügen heutzutage über große Devisenreserven und tiefere Kapitalmärkte, die Schutz vor größeren Marktschwankungen bieten. Und zu guter Letzt konnten sie sich über eine sehr positive Entwicklung bei den internationalen Rohstoffpreisen freuen.

 

Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Es handelt sich bei den angegebenen Werten um Vergangenheitswerte. Zukünftige Entwicklungen können davon nicht abgeleitet werden.

 

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