03.03.2022 ‐ Finanzmarkt aktuell

Die EZB im Zins-Dilemma?

Folgende oder ähnliche Schlagzeilen, wie jene aus Deutschland vor ein paar Tagen, lassen aufhorchen: Die Inflation Deutschlands steigt um über 5 Prozent! Das sind Nachrichten, an die wir uns gewöhnen müssen.

Die Probleme der Lieferketten sowie die steigenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise sind Fakten, die durch den Ukrainekonflikt verstärkt werden. Die Inflation wird uns die nächste Zeit begleiten. Gleichzeitig verunsichert der Russland-Ukraine-Konflikt den konjunkturellen Ausblick enorm. Das sind Punkte, auf die sich die Wirtschaft Europas und die EZB einstellen müssen. Wie reagiert die EZB? Was passiert mit dem Leitzinssatz?
Wir wollen hier in aller Kürze einen Bogen um dieses Thema spannen und unsere Sicht auf die Herausforderungen für die kommende Zinspolitik darlegen.

 

Allgemein kann gesagt werden, dass in den nächsten Monaten die positiven Wachstumsprognosen für 2022 und 2023 deutlich nach unten angepasst werden müssen. Eine „schwarze Null“ wird aus unserer Sicht hier schon positiv zu werten sein. Die nächsten Stimmungsindikatoren, die im Laufe des Monats März veröffentlicht werden, müssen bereits den aktuellen Konflikt und die Sorge über die künftige Entwicklung widerspiegeln. Die EZB wird sich an dieser Datenlage in der Folge orientieren. War schon in den letzten Monaten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen sehr gering, so liegt nun ein Argument am Tisch, Inflation zu tolerieren und den Leitzins möglichst niedrig zu halten. Tatsächlich könnte die EZB mit Ihrer Zinspolitik den Hebel nur im Hinblick auf die sog. Zweitrundeneffekte (Lohn-Preis-Spirale) ansetzen. Bei den steigenden Energiepreisen ist die Zinspolitik, isoliert betrachtet, größtenteils wirkungslos. Das Risiko nachgelagerter konjunktureller Folgen könnte schwerer wiegen, als der Handlungsspielraum der EZB im Hinblick auf Inflation.

 

Europa wird die nächsten Jahre mit einer „Turboreform“ beschäftigt sein. Die Energiepolitik und zu einem Teil die Produktionsketten sollten neu ausgerichtet und der Verteidigungsapparat ausgebaut werden. Das könnte seinen Preis haben, und zwar Inflation bei gleichzeitig niedrigen Zinsen. Anleihenkäufe der EZB (bekannt aus der Finanzkrise und später aus der Pandemie) könnten dafür sorgen, dass auch die langfristigen Zinsen niedrig bleiben. Hier rechnen wir beim 10-Jahres-Zins in Europa (z.B. 10-Jahres EUR Swapsatz) mit Werten um 0,30% bis 0,50% für die kommenden Monate. Staatschulden werden nicht nur durch den Wirtschaftsumbau steigen, sondern auch durch diverse Förderprogramme, um den Konsum zu stützen bzw. auch um schwächeren Einkommensschichten, die durch die gestiegenen Energiepreise besonders belastet werden, zu helfen. Stichwort: Heizkostenzuschuss.

 

Dies alles wird auch Auswirkungen auf die amerikanische Volkswirtschaft haben, wenn auch in abgeschwächter Form. Der Vorteil der USA ist zum einen ihr starker Binnenmarkt. Zum anderen spricht für die USA, dass sie Europa mit Energie (Flüssiggas), Technologie und Rüstung versorgen kann.

 

Fazit: Die EZB hat nun gute Argumente, die Zinslandschaft auf dem aktuellen Niveau möglichst zu belassen und speziell die langfristigen Zinsen wieder etwas nach unten anzupassen. Inflation, niedrige Zinsen und steigende Staatsverschuldung - das sind die drei Eckpfeiler, an die wir uns noch stärker gewöhnen müssen.

 

Die aktuellen Oberbank Prognosen finden Sie hier

 

Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung. Es handelt sich bei den angegebenen Werten um Vergangenheitswerte. Zukünftige Entwicklungen können davon nicht abgeleitet werden.

 

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