27.04.2020

Donnernde EZB-Kanonen gegen die Coronakrise

Die EZB ergreift erneut Maßnahmen im Sinne des „Whatever it takes“-Ansatzes und die Marktteilnehmer blicken gespannt auf die Resultate. Zumindest erste positive Zeichen sind zu erkennen.

Drastische Maßnahmen der Europäischen Zentralbank

 

Der „Whatever it takes“-Ansatz des Ex-EZB Direktors Mario Draghi ist in Zeiten der Coronakrise das einzige Mittel der Notenbanken gegen die Verunsicherung an den Finanzmärkten geworden. Zu Beginn der Coronakrise in Europa versuchte die EZB durch eine Ausweitung des bisherigen Anleihekaufprogramms von bis zu 120 Mrd. Euro, den Märkten die nötigen Impulse für eine Stabilisierung des Kursrutsches zu geben. Nach der Ankündigung des Kaufprogramms herrschte an den Märkten weiterhin Verunsicherung und die Renditen von Staatsanleihen der europäischen Sorgenkinder Italien und Griechenland zeigten innerhalb weniger Tage eine Schwankungsbreite von über einem Prozent. Die Kursbewegungen an den Märkten veranschaulichten, dass 120 Mrd. Euro an zusätzlicher Liquidität wohl zu wenig seien um diese Krise zu überstehen. Als Antwort beschloss die EZB bis Ende 2020 eine breite Palette an Euro-Anleihen im Gesamtwert von bis zu 750 Mrd. Euro zu kaufen. Alleine im März summierten sich die Käufe bereits auf insgesamt 85,8 Mrd. Euro und verzeichneten damit ein Dreijahreshoch. Eine Besonderheit zu den vergangen Kaufprogrammen der EZB ist nun auch, dass kurzfristige Schuldverschreibungen von Unternehmen gekauft werden. Die Maßnahmen erfüllen vor allem den Zweck Nachfrage und Liquidität an den Rentenmärkten zu schaffen. Dadurch sollte ermöglicht werden, dass Unternehmen so wie auch Staaten die so dringend benötigten Liquiditätsreserven zu relativ günstigen Konditionen beschaffen können. Das Notfallprogramm zeigte in den letzten Wochen seine Wirkung. Die Rentenmärkte blieben von weiteren größeren Verwerfungen verschont.

 

Stresstest für Marktteilnehmer

 

Als Marktteilnehmer befindet man sich folglich in einem herausfordernden und ungewissen Umfeld. Der Haupttreiber des kürzlichen Kursrutsches an den Anleihemärkten waren die sprunghaften Anstiege in den Risikoaufschlägen (ASW-Spreads). Exemplarisch ist eine 10-jährige österreichische Staatsanleihe dargestellt. Trotz sehr gutem Rating wurde in wenigen Tagen eine Bewegung vollzogen, die zuletzt in einem Zeitraum von vier Jahren erfolgte. Jedoch zeigt sich, dass die Bekanntgabe von weiteren Anleiheaufkäufen durch die EZB einen mildernden Effekt hatte. Dies ist im kleinen, rechten Ausschnitt der Grafik ersichtlich. Die rasche Aufwärtsbewegung wurde aktuell gestoppt.

 

Daten: Bloomberg

 

In den kommenden Wochen und Monaten gilt es den Markt genau zu beobachten. Wenn sich der Nebel um die tatsächlichen Folgeschäden lichtet, dürfte ein zwischenzeitlicher Ausschlag der Volatilität und der Risikoaufschläge nicht verwundern.

 

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