24.06.2020 ‐ Finanzmarkt aktuell

Unsicherheit setzt Euro weiterhin unter Druck

Nach den überraschend guten Konjunkturdaten aus den USA ist die Erholung des Euros kurzfristig gestoppt worden. 

War die europäische Gemeinschaftswährung letzte Woche noch auf über 1,14 geklettert, setzte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1232 Dollar fest.

 

Vor allem die Umsätze des amerikanischen Einzelhandels haben sich bedeutend erholt. Diese sind besonders in den USA ein guter Indikator für die konjunkturelle Entwicklung, da zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus dem privaten Konsum besteht. Laut US-Handelsministerium lagen die Umsätze im Mai um 17,7 Prozent (Est. 8,0 %) höher als im Vormonat und übertrafen damit die Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen deutlich. Auch die Arbeitsmarktdaten lassen darauf hoffen, dass man den Tiefpunkt der Krise überwunden hat und die Wirtschaft, wenn auch nur langsam, wieder in Schwung kommt. Haben im April noch etwa 20 Millionen AmerikanerInnen ihren Job verloren, konnten im Mai wieder 2,5 Mio. (Est. – 8 Mio.) Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen werden.

 

Trotz der jüngsten Lichtblicke äußerte sich Fed-Chef Jerome Powell vergleichsweise pessimistisch. „Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg“ warnte er in einer Pressekonferenz und signalisierte, dass das Zinsniveau in den USA auch mittelfristig an der Nulllinie verbleiben wird.

 

Ein Zustand, an den sich der/die EuropäerIn bereits gewohnt hat.

 

Auch in Europa hat sich die Stimmung im Hinblick auf eine wirtschaftliche Erholung erstmal gebessert. Die verschärften Einreisebestimmungen innerhalb der EU wurden größtenteils gelockert, sodass bspw. Tourismus wieder grundsätzlich möglich ist. Außerdem verzeichnete der zuletzt veröffentlichte ZEW-Index zum dritten Mal hintereinander eine positive Entwicklung. Damit gehen die vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragten Experten von einer fortschreitenden Erholung der Konjunktur der größten europäischen Volkswirtschaft aus. Diese Nachrichten konnten jedoch keine entscheidenden Impulse am Devisenmarkt setzen. Zu groß ist die Ungewissheit der Marktteilnehmer über weitere wirtschaftliche und politische Entwicklungen innerhalb der Europäischen Union. Frankreich, Spanien und Belgien weisen aktuell eine Schuldenquote von knapp 100 % ihrer BIP aus. Italien liegt sogar bei 136 Prozent. Damit liegt eine Einhaltung der EU-Schuldenregelungen für diese Länder in weiter Ferne. Schafft man es in den Verhandlungen mit Großbritannien noch, das Szenario eines harten Brexits zu umgehen? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer zweite Corona-Welle unter dem Hintergrund, dass die jüngsten Ansteckungsraten in vielen Ländern wieder ansteigen? Zu guter Letzt herrscht auch noch Uneinigkeit über das geplante milliardenschwere Haushalts- und Konjunkturpaket, dessen Wirkung maßgeblich von einer schnellen Einigung abhängt.

 

In Zeiten solch großer Unsicherheiten sind weiterhin Währungen, die als „sicherer Hafen“ gelten, eher gefragt, da Ungewissheit häufig mit einer steigenden Risikoaversion einhergeht. Ein weiterer Faktor, von dem der US-Dollar auf kurze bis mittlere Sicht profitiert und eine zukünftige Erholung des Euros erschwert.

 

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