07.10.2020

30 Jahre Deutsche Einheit

Anlässlich des 30. Jahrestags der Vereinigung der beiden deutschen Staaten gab der Honorarkonsul der Republik Deutschland, Generaldirektor Dr. Franz Gasselsberger, im Oberbank Donauforum für 80 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie ein feierliches Abendessen. 

Im Bild v.l.n.r.: Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank), Ralf Beste (Deutscher Botschafter), Thomas Stelzer (Landeshauptmann OÖ), Klaus Luger (Bürgermeister Linz), Foto: Foto Lui

 

Für den künstlerischen Rahmen sorgten Studentinnen und Studenten der Anton Bruckner-Privatuniversität Linz. In seiner Ansprache erinnerte Gasselsberger an die friedliche Revolution, die zur Deutschen Einheit führte. Er führte aus, dass für die heutige Generation der vereinte deutsche Staat eine Selbstverständlichkeit sei. Friedliche Revolutionen beziehungsweise die geordnete Umsetzung des Willens eines Volkes seien jedoch nie selbstverständlich, sondern bemerkenswert und sehr selten. Der Prozess der Deutschen Einheit beweise die Wirkungsmacht der gemeinsamen Grundwerte, nämlich einerseits Freiheit, andererseits Verantwortung.

 

Ja, die Deutsche Einheit könnte ein Vorbild sein für ein einiges Europa. Umso mehr bedauere ich die aktuellen, leider zunehmenden Meinungsunterschiede, die sich zwischen den politischen Führern auftun. Mit der Rückkehr zu nationalstaatlicher Interessenspolitik werden aber weder die einzelnen Länder noch die EU gewinnen.

 

Wir Oberösterreicher lassen uns lieber von der Vernunft und vom Hausverstand als von politischen Emotionen leiten. Deshalb wissen wir bei allem Selbstbewusstsein genau, dass das Wohlergehen Österreichs auch sehr stark vom Wohlwollen und vom Wohlergehen Deutschlands abhängt. Wir brauchen und wir wollen gute Nachbarschaft. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine Besinnung auf die Grundideen, die zur Deutschen Einheit führten, also auf den Wunsch nach Freiheit, auf den Willen und die Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen und zu Respekt vor dem Anderen“, führte Gasselsberger aus.

 

Diese Werte werden auch in der Oberbank seit Jahrzehnten gelebt und haben die Bank erfolgreich gemacht. Die Oberbank habe die Öffnung und die wirtschaftliche Erholung der neuen deutschen Bundesländer für ihre Expansion genützt und Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eröffnet.

 

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger und Landeshauptmann Thomas Stelzer drückten die enge Verbundenheit der Oberösterreicher mit Deutschland aus. Die Nachbarschaft nicht nur mit den Bayern sei sehr gut, auch die wirtschaftlichen Beziehungen in beiden Richtungen seien sehr befruchtend und für die Wohlstandsentwicklung von großer Bedeutung.

 

Der deutsche Botschafter Ralf Beste schließlich freute sich, dass er so oft nach Linz kommen könne. Die wichtigste Verbindung der beiden Länder seien die Menschen. Aus österreichischer Sicht sind das  die rund 307.000 deutschen Staatsbürger, die bei uns leben, davon mehr als 36.000 in Oberösterreich. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das Konsulat betreue die deutschen Staatsbürger in Oberösterreich vorbildhaft und intensiv, wie sich auch anhand der Zahlen belegen lässt:  Monatlich sind das 150 Passbeantragungen und bereits mehr als 200 rechtliche Unterstützungen in diesem Jahr, etwa bei Erbschaften, Beglaubigungen, Staatsbürgerschaftsangelegenheiten etc.

 

Zum Anlass des Festes sagte er: „Die Deutsche Einheit war ein Erfolg, denn sie hat dank der Hilfe und des Vertrauens unserer Freunde und Verbündeten die jahrhundertealte deutsche Frage gelöst. Aber jetzt verblasst sie im Vergleich zur ungleich größeren europäischen Frage, die sich heute dringlich stellt:  Wie behaupten wir in der Welt von Morgen unseren europäischen Way of Life, unsere Werte und unseren Wohlstand? Das ist die Mammutaufgabe unserer Zeit. Die Antwort kann nur in enger Zusammenarbeit und solidarischem Zusammenhalt bestehen, durchaus auch unter Hintanstellung nationaler Eigeninteressen, Traditionen, Überzeugungen. Wenn wir dabei scheitern, ist am Ende für uns alle nicht genug erreicht – übrigens für Deutsche und Österreicher gleichermaßen. Deswegen der Appell an uns alle: Wir sollten aufhören mit der EU umzugehen, als hätten wir noch eine zweite auf Lager.“