23.10.2018 ‐ Finanzmarkt aktuell

Brexit: Gordischer Knoten

Brexit – Bei den laufenden Austrittsverhandlungen des Vereinigten Königreichs aus der EU ist kein Ende in Sicht. Das letzte EU-Gipfeltreffen in Brüssel brachte keine neuen Fortschritte.

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich in Brüssel optimistisch und hofft auf einen positiven Verhandlungsabschluss. Die EU wird Großbritannien eine Verlängerung der Übergangsphase anbieten, um mehr Zeit für die Verhandlung eines langfristigen Handelspaktes zu gewinnen. Ein EU-Sondergipfel für November werde aber erst einberufen, wenn es entscheidende Fortschritte gäbe. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier betonte mehrmals, dass viele Themenbereiche in den Brexit-Verhandlungen bereits abgeschlossen sind. Die Schwierigkeit liege in den Details.

 

Als Stolperstein stellt sich die Grenze zwischen Irland und Nordirland dar. Sowohl die EU als auch Großbritannien möchten diese Grenze möglichst „offen“ halten. Die Frage ist: Wo soll nach Ende der Übergangsperiode (Ende Dezember 2020) die Zollgrenze verlaufen, wenn kein finales Handelsabkommen abgeschlossen ist. Dazu wurden unterschiedliche Auffanglösungen (backstops) ins Spiel gebracht, die nach der Übergangsphase als Notfall in Kraft treten könnten.

Erstens: Die EU wünscht sich hier eine „zeitlich unbegrenzte“ Auffanglösung, Großbritannien eine mit Ablaufdatum. Zweitens: Für Nordirland ist ein Verlauf der Zollgrenze in der Irischen See unakzeptabel (Nordirland in EU-Zollunion), aber auch ein Verbleib des gesamten Vereinigten Königreichs in der EU-Zollunion ist für die Briten inakzeptabel.

 

Für PM May wird es schwer eine Vereinbarung im Parlament durchzubringen, wenn der Brexit keinen endgültigen Schnitt in den Beziehungen zur EU darstellt oder das britische Hoheitsgebiet gespalten wird. Innerparteiliche Brexit-Hardliner machen ihr hier das Leben schwer.

Ein Abkommen zwischen der EU und Großbritannien liegt im vitalen Interesse beider Länder. Die EU kann aber auch mit einem No-Deal Brexit (kein Abschluss) leben. Hier stehen die Prinzipien der EU und der Zusammenhalt der Europäischen Union über nationalen Interessen.

Vielfach wird es auch als politisches Kalkül der Briten gesehen, den „Verhandlungsablauf“ diffizil zu gestalten. Ein „schwer erkämpfter Kompromiss“ könnte von PM May leichter als Erfolg im eigenen Land verkauft werden. So könnte sie als „Löwin von England“ in die Geschichtsbücher eingehen.

 

Aussichten: Weiterhin ist alles offen. Der EUR/GBP Kurs gibt bei positiven Verhandlungsaussichten immer wieder nach und erreichte vor kurzem 0,8720. Ein No-Deal Brexit hingegen könnte EUR/GBP rasch über 0,9000 ansteigen lassen. In der aktuellen unsicheren Verhandlungsphase ist ein Ausbruch aus der Bandbreite 0,8600 – 0,9100 nicht in Sicht.

 

Diese Unterlagen dienen lediglich der aktuellen Information und basieren auf dem Wissens-stand der mit der Erstellung betrauten Personen zum Erstellungszeitpunkt. Diese Unterlagen sind weder Angebot noch Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der hier erwähnten Veranlagungen bzw. (Bank-)Produkte. Sämtliche in diesem Dokument enthaltenen Aussagen sind nicht als generelle Empfehlung zu werten. Obwohl wir die von uns beanspruchten Quellen als verlässlich einschätzen, übernehmen wir für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier wiedergegebenen Informationen keine Haftung. Insbesondere behalten wir uns einen Irrtum in Bezug auf Zahlenangaben ausdrücklich vor. Die Angaben gemäß § 25 Mediengesetz finden Sie unter diesem Link.