28.02.2022 ‐ Presse

Statement zur aktuellen Lage

Wir sind wie viele andere von den aktuellen Entwicklungen überrascht worden.

Wir haben nicht erwartet, dass Putin einen Angriffskrieg beginnt, schon gar nicht, dass er sofort die ganze Ukraine militärisch attackiert, wir haben uns die bereits erfolgten Eskalationsstufen bis hin zur Aktivierung der Nuklear-Streitkräfte nicht vorstellen können. Überrascht sind wir auch vom Freiheitswillen und der Verteidigungsbereitschaft der ukrainischen Bevölkerung und deren Erfolge bei der Abwehr der russischen Streitkräfte.

 

Über unseren Erwartungen ist auch die Reaktion des Westens, die Einigkeit und die Geschwindigkeit, mit der Sanktionen beschlossen wurden und auch die Härte der Maßnahmen bis hin zur Sperre russischer Banken vom internationalen Zahlungsverkehrssystems SWIFT und das Einfrieren von Vermögenswerten des russischen Staates, russischer Unternehmen und auch von Privatpersonen.

 

Wir halten fest, dass die Oberbank keine Kredite an Banken oder Unternehmen in Russland oder der Ukraine vergeben hat. Die Begleitung österreichischer Exporteure in diese beiden Länder und die damit in Verbindung stehende Errichtung von Akkreditiven ist von untergeordneter Bedeutung.

 

Es ist zu früh, fundierte Aussagen über die Auswirkungen der Kriegshandlungen auf die wirtschaftliche Entwicklung zu machen. Das Jahr 2022 hat sehr gut begonnen, auch Kreditnachfrage und Private Banking-Aktivitäten der Kunden waren in den ersten beiden Monaten auf historischem Höchststand.

 

Wahrscheinlich sind jedoch folgende Aussagen zutreffend:

  • Die europäische Wirtschaft wird stärker unter Krieg und Sanktionen leiden als die USA oder der asiatische Raum.
  • Rohstoff- und Energiepreise werden weiter steigen oder auf hohem Niveau verharren.
  • Diese Entwicklungen werden die Inflation anhaltend beeinflussen.
  • Die Notenbanken werden dementsprechend ihre Zins- und Geldpolitik anpassen; der Druck auf Zinserhöhungen hat nachgelassen.
  • Bei Banken könnte das Kreditrisiko – von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend – steigen. Umso wichtiger sind Eigenkapital und strategische Liquidität.
  • Die Oberbank verweist in diesem Zusammenhang auf ihre – im europäischen Vergleich überdurchschnittliche – Kernkapitalquote von rund 18,6 Prozent und auf die vorgeschlagene Erhöhung der Dividende um 33,3 Prozent auf 1,0 EUR je Aktie.

 

Positiv sehen wir, dass es seit heute direkte Gespräche zwischen den Konfliktparteien gibt und die Entschlossenheit des Westens, harte Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sehr hoch ist. Das gibt Grund zur Hoffnung, dass bei den Aggressoren Vernunftargumente zunehmend gehört werden.